Gesehen, gelesen, gedacht. Für Sie zur Inspiration.
Hier finden Sie in loser Folge Gedanken zu Kunst und Gesellschaft, zu einer Ausstellung, einem Buch oder etwas anderem, das meine Aufmerksamkeit weckte.
17. März 2026
Augen auf!
Installation oder Renovation? Zufall oder Gestaltung? Wer neugierig durch die Welt geht, schaut anders und sieht mehr. Man stutzt, bleibt stehen, freut sich, fragt sich – und Bilder aus der Kunstwelt scheinen auf. Vielleicht auch bei Ihnen? Das sind Geschenke im Vorbeigehen: Die gestischen Farbkleckse an einer Berliner Fassade wirken wie Kunst am Bau von Clifford Still.
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06. März 2026
Who is Banksy?
Who is Banksy? Wer ist Banksy? Die Frage geisterte wieder einmal durch die Medien. Ein Markenzeichen des britischen street art Künstlers Banksy ist seit Jahrzehnten seine Anonymität. Das reizt! Immer wieder gibt es nicht autorisierte Ausstellungen, wo Werke von ihm gezeigt und Kopien verkauft werden, an denen Banksy nichts verdient. Ich sah vor Jahren in Amsterdam so eine Schau. Es war eindrücklich, die Motive versammelt zu sehen, die Banksy berühmt machten: das Girl with Balloon, die Kids on Guns, den Leoparden, der aus dem Barcode ausbricht u.a.m. Viele junge Menschen drängten durch die Räume und am Schluss in den Verkaufsshop, wo es all die Graffittis auf T-Shirts und Tassen als Souvenirs zu kaufen gab. Auch den Leoparden, Inbegriff von Natur und Freiheit.
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07. Oktober 2025
Was würden Sie retten, wenn' s im Museum brennt?
Vivienne Westwood, die Grand Old Lady der Mode-Avantgarde, gibt in ihrer direkten Art eine Anleitung zur Verfeinerung unserer Sehgewohnheiten. Und sie sagt klar und deutlich: Kunst ist kein Softeis! «Kunst ist das Gegenteil von Konsum, denn man kann sie nicht aufschlecken wie ein Softeis. Man muss sich anstrengen, Kenntnisse erwerben, seine Wahrnehmung schärfen und vergleichen lernen. (…) Meinen Studenten in Berlin habe ich immer gesagt: Geht in die Nationalgalerie und findet in jedem Saal heraus, welches Bild ihr retten würdet, wenn Feuer ausbricht. Wenn ihr dasselbe sechs Monate später noch einmal macht, werdet ihr feststellen, dass ihr andere Bilder retten würdet. Eure Beurteilungskriterien werden sich verfeinert haben.»
10. August 2024
«Was bleibt von der Kunst? Wir als Veränderte bleiben.» Robert Musil
In Zeiten der rasenden Ökonomisierung von Kunst erscheint der Satz des Schriftstellers Robert Musil (1880–1942) auf den ersten Blick weltfremd. In einem grösseren Zeithorizont betrachtet, wird davon jedoch nichts bleiben, kein Fresko, kein Gemälde, keine Skulptur, schon gar keine Arbeit auf Papier. Der Satz Robert Musils «Was bleibt von der Kunst? Wir als Veränderte bleiben.» zielt auf den immateriellen Wert eines Werkes und auf dessen Wirkung. Das Kunstwerk realisiert sich erst durch unsere Wahrnehmung. Wir werden von ihm berührt, es verändert uns, wie die Gäste des Moderna Museet in Stockholm 1960, die Niki de Saint Phalles Nana mit integrierter Bar ganz körperlich erfahren. Solche Kunst-Erfahrungen, sei es eine begehbare Plastik oder ein kleines Bild, wirken in unserer Erinnerung weiter. Sammeln Sie solche Erfahrungsschätze!
12. Januar 2024
Barnett Newman & ein Basler Disput um Geld, Geist und Kunstkopien
Wer hat beim Anblick moderner Kunst nicht schon gedacht oder gesagt: "Das könnte ich auch!"? In Basel ist in ein Gemälde von Barnett Newman zu sehen, das aufgrund einer solchen Aussage tatsächlich nachgemalt wurde, und zwar von einem Basler Grossrat, von Beruf Bau- und Schriftenmaler.
Day Before One von 1951 provozierte. Wie es dazu kam, dass Leo Lachenmeier 1975/77 zwei Bilder kopierte und welche Reaktionen das auslöste, ist nachzulesen in meinem
Feuilletonbeitrag in der Basler Zeitung (BaZ), den ich vor Jahren schrieb. Die Reaktionen gegenüber moderner Kunst sind zum Teil heute noch ähnlich...
01. Juli 2023
Peter Robert Berry. Maler zwischen Segantini und Hodler
In St. Moritz befindet sich in einer Privatvilla ein besuchenswertes Museum, das dem einstigen Kurarzt und Maler Peter Robert Berry (1864–1942) gewidmet ist. Die Ölgemälde, Pastelle und Zeichnungen im Zusammenspiel mit Einrichtungsgegenständen, Fotografien, Malutensilien und Dokumenten zeigen anschaulich, wie Berrys Leben und Werk mit der Engadiner Landschaft verbunden ist. Verschiedene Einflüsse auf seine Malerei sind auszumachen. So Giovanni Segantinis Motivwahl, die Maltechnik und das Licht; Ferdinand Hodlers markante Umrisslinien und die grosszügige Behandung der Flächen. In seinen Figurenbildern sind Einflüsse von Toulouse-Lautrec und in Pferdezeichnungen Degas erkennbar, dessen Arbeiten er anlässlich seiner Pariser Studien wohl sah. Peter Robert Berry malte oft in der Natur. Zwischen 1905 und 1914 verbrachte er manche Winter auf dem Julier- und Berninapass, wo er tagsüber draussen malte und abends im Hospiz auf seinem per Schlitten mitgebrachten (!) Klavier spielte. Bild: © Berry Museum St. Moritz. Hingehen!
www.berrymuseum.com
09. September 2021
Den Louvre muss man gesehen haben, meint alle Welt. Leider
Wann waren Sie letztmals im Pariser Louvre? Und woran erinnern Sie sich? Ich war schon sehr lange nicht mehr da, und von meinem letzten Besuch bleibt mir vor allem etwas in Erinnerung: Tausende von Besucherinnen und Besuchern aus aller Welt, die nach stundenlangem Anstehen vorbeiziehen an Tausenden von Bildern in Hunderten von Sälen, stets das Handy gezückt und alles fotografierend, was an den Wänden hängt. Ebenso präsent bleibt meine Überforderung ob all der Sinneseindrücke bereits nach kurzer Zeit. Dabei bin ich doch Museumsbesuchsprofi!
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15. Dezember 2020
LUTZ & GUGGISBERG. Ofen, Geist und Meister in Winterthur
Zwischen Kandinsky, Klee, Picasso, Mondrian, Sophie Täuber, Meret Oppenheim und Max Bill wurden Low-budget-Materialien und Fundsachen zu Objekten zusammen gefügt: Plastiken, mal aus silbrig glänzendem Schaumstoff, mal mit Recyclingstücken aus Holz, gebranntem Ton oder Metall, auch eine alte Blockflöte findet ihren Platz. Das alles ist akkurat auf Sockeln und unter Plexiglas präsentiert und mit Etiketten an den Wänden versehen. Genau wie die teils 100-jährigen Meisterwerke. Die beiden Künstler Lutz & Guggisberg (*1968/1966) spielen sowohl mit Farben, Formen und Materialen als auch mit Sprache. So entspinnt sich ein hintersinniger Dialog mit den Meistern, ein Echo der Kunstgeschichte und zugleich eine Reflexion über unsere Zeit und Gesellschaft.
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22. September 2019
Dead Artists Society in Baden
Bummeln in Baden. Ein zufälliger Blick in ein Seitengässchen. Auf einer Terrasse prangt eine grosse, bunte Kugel des bekannten Aargauer Künstlers Beat Zoderer. Wer die Klingelschilder und Briefkästen studiert, kommt ins Staunen: Da stehen Namen wie D. Judd, A. Jawlensky, J. Beuys und P. Klee. Eine Künstler-WG?!
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08. Mai 2017
ANDREA BÜTTNER. Ein ganz besonderes Brot
Ich betrachte oft Kunst, das liegt in der Natur meiner Sache, der Kunstvermittlung. Kunst ist sozusagen mein täglich Brot. Oft ist es Weissbrot, um im Bild zu bleiben; verlockend, knusprig, schnell konsumiert und ebenso schnell vergessen. Zuweilen sind es altbackene Brötchen, nicht weiter erwähnenswert. Manchmal ist es Vollkornbrot, nahrhaft, intensiv zu kauen und etwas schwer verdaulich. Und manchmal – das kommt eher selten vor – erlebe ich, das ich vor einem Werk stehe, und es ist geschieht etwas ganz Besonderes. Zuerst ist es eine ästhetische Attraktion, im eigentlichen Sinn des Wortes attrahere, lateinisch anziehen: Das Werk entwickelt einen magischen Sog, dem ich folgen muss.
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09. April 2017
ARP GEHR MATISSE im Kunstmuseum St. Gallen
Die schöne Ausstellung stellt das Schaffen des Ostschweizer Künstlers Ferdinand Gehr (1896–1996) in den Kontext der internationalen Avantgarde. Gehr tritt mit Hans Arp (1986–1966) und Henri Matisse (1869–1954) in Dialog. Als junge Frau konnte ich ihn in seinem Atelier in Altstätten SG besuchen. Ein kleiner, verschmitzter, bescheidener Mann, der über 100 Jahre alt wurde und ein grosses malerisches und grafisches Werk schuf. Poetische Papierarbeiten und im Oberlichtsaal eine wunderschöne Gegenüberstellung von Gehrs abstrakten grossen Landschaften mit Hans Arps Plastiken.
Hier Impressionen auf art-tv beim Rundgang mit Gehrs Tochter Franziska:
https://www.arttv.ch/kunst/kunstmuseum-stgallen-arp-gehr-matisse/
06. März 2016
Als die Bilder laufen lernten...
Vor gut 100 Jahren begann die Geschichte der bewegten Bilder, des Kinos. Varieté, Zirkus und Schaubuden boten das Ambiente für Spektakel-Kurzfilme mit Akrobaten, Zauberkünstlern und Schlangenmenschen. Wer an der Zürcher Bahnhofstrasse flaniert, sieht in einem Schaufenster auf einem riesigen Screen weder Zauberer noch Tänzerinnen, sondern in der LED-Installation «Walking» des britischen Künstlers Julian Opie stilisierte menschliche Figuren, die nichts anderes tun, als endlos zu gehen und doch nirgends hinzukommen.
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14. Januar 2016
Selfies der anderen Art: Künstlerporträts im Kunsthaus Zürich
«Wer bin ich, und wenn ja, wie viele?» Die saloppe Frage kreist um die Selbstbefragung in Zeiten fragmentierter und unsicherer Existenzen. Kunstschaffende inszenierten lange vor der heutigen Selfiemanie Bilder von sich selbst. Doch ihre Selbstbilder sind mehr als Oberfläche: Sie kreisen um Berufsverständnis, Geschlechterrollen, An- und Einsichten über körperliche Verfassungen und seelische Zustände – aber auch um die Frage, wer und wie ich auch noch sein könnte oder vielleicht bin. Um es mit dem jungen Arthur Rimbaud zu sagen: «Je est un autre».
Zu sehen sind Werke von Lovis Corinth, Ferdinand Hodler, Urs Lüthi, Manon u.a.m., so eine fotografische Selbstinszenierung der britischen Künstlerin Gillian Wearing als ihre eigene Mutter (s. Abb.). Wie viele Frauen würden das freiwillig tun? Und was löst das in den Betrachtenden aus? Eine inspirierende Schau!
23. Juni 2015
Klee & Kandinsky in Bern: «Goethe & Schiller» der bildenden Kunst
Kennen Sie das Goethe-Schiller-Denkmal in Weimar? Die beiden Literaten, Freunde und Konkurrenten, posieren seit 1857 nebeneinander auf dem Sockel, reichen sich die Hände, und ihr Blick geht in die Weite, doch in verschiedene Richtungen. Rund 60 Jahre später posieren Klee und Kandinsky in derselben Haltung an der Atlantikküste. Die Pose ist Programm: Zwei grundverschiedene Menschen, zwei hoch talentierte Künstler gehen gemeinsame Wegstrecken zwischen Freundschaft, Inspiration und Konkurrenz.
Dies aufzuzeigen, ist das Ziel der Ausstellung im Zentrum Paul Klee Bern in Zusammenarbeit mit der Städtischen Galerie im Lenbachhaus München. Die beiden Häuser sind die Kompetenzzentren für den jeweiligen Meister der klassischen Moderne. Mit dieser Zusammenschau eröffnen sie dem Publikum tatsächlich Neues.
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19. Juni 2014
Roman Signer, Mind the Gap!
In der Galerie Hauser & Wirth Zürich war bis vor kurzem ein Werk von Roman Signer ausgestellt, das mich sehr beeindruckte: In der Ausstellung dringt vorerst unverständlich, doch wiederholt eine Lautsprecherdurchsage ans Ohr. Wir gehen vorbei an zwei Betten mit hellblauen Matratzen, zum Doppelbett zusammengestellt. Und plötzlich verstehen wir die Durchsage, die dazu gehört. Es ist die Warnung aus der Londoner und der New Yorker U-Bahn: Mind the Gap! Achtung, gefährlicher Spalt zwischen Perron und Zug.
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05. September 2013
Literaturtipps zur Kunst im Zürcher Stadtraum
Diese drei neuren Publikationen sind anregend zum Schmökern und Losgehen, allein oder in der Gruppe, bei Interesse auch mit mir.
Kontakt«Kunst und Architektur im Dialog». 50 neue Kunst-und-Bau-Werke in Zürich. Edition Hochparterre 2013. Ein handliches Büchlein, mit Infos Fotos, Lageplänen.
Bernadette Fülscher, «Die Kunst im öffentlichen Raum der Stadt Zürich. 1300 Werke – eine Bestandesaufnahme». Chronos Verlag 2012. Umfassendes Inventar.
«Art loops, Kunstspaziergänge durch die Zürcher Stadtkreise». Rundgänge ab Zürich HB. Faltkarten gratis beim Amt für Hochbauten. Download:
http://www.stadt-zuerich.ch/artloops
27. August 2013
Ein lebender Terrakottakrieger
2006 bekam die 2000-jährige Terrakottaarmee des chinesischen Kaisers Qin Zuwachs: Der deutsche Künstler Pablo Wendel reihte sich nach langer Vorbereitung heimlich unter die Krieger, bis ihn die Wachsoldaten aufspürten. Der Künstler als Kopie eines chinesischen Terrakottakriegers: Damit gibt er der alten Kultur die Ehre und thematisiert Original und Kopie der Wirtschaftsmacht.
Ein Video der Aufsehen erregenden Aktion wurde unter die Alten Meister im Kunstmuseum Bern geschmuggelt, zeitgleich zur Ausstellung
Qin. Der unsterbliche Kaiser und seine Terrakottakrieger im Historischen Museum. Noch bis 13. November 2013. Einen Augenschein gibt's
hier.
02. August 2013
Bergell. Neue Kunst in alten Mauern
Über den Sommer gibt es im historischen Hotel Bregaglia und im Palazzo Castelmur im Bergell zeitgenössische Kunst zu entdecken. Kunstschaffende von Judith Albert über Christoph Rütimann und Roman Signer bis Zilla Leutengegger bespielen die beiden Häuser mit Witz, Tiefsinn und stets ortsbezogen.
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10. Juli 2013
Gasträume. Temporäre Kunst auf öffentlichen Plätzen Zürichs
Lori Hersbergers Glaskulptur Dystopia Stalker am Paradeplatz provoziert. Bereits kurz nach der Vernissage waren nicht nur die bewussten Zerstörungen des Künstlers zu sehen, die dank Sicherheitsglas und -folie bloss Sprünge, aber keine Brüche verursachten. Glaswände waren zertrümmert und herausgebrochen. Der Glaserei-Pikettdienst war mehrfach im Einsatz.
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